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Zahl der Woche

Zahl der Woche: 55 Prozent der Deutschen sind Mieter

In Deutschland gibt es im europäischen Vergleich wenig Wohneigentümer.

Eigentümerquote: Deutschland im europäischen Vergleich
Nur knapp 45 Prozent der Deutschen leben in Wohneigentum. 55 Prozent der Haushalte zahlen Miete (laut der Bestandszahlen der LBS 2018; Quelle: Euroconstruct/ifo). Im Gegensatz dazu leben zwei von drei Franzosen und sogar drei von vier Spaniern im Eigenheim, bei uns nicht mal jeder Zweite. Norwegen, Polen und Tschechien führen die Rangliste an. Deutschland bildet weiterhin das Schlusslicht der Immobilienbesitzer im EU-Vergleich. Nur die Schweiz hat noch weniger „Eigenheimer“ als wir.

Schaut man innerhalb Deutschlands, sieht man, dass besonders die Stadtstaaten Hamburg und Berlin beim selbstgenutzten Wohneigentum deutlich unter dem nationalen Durchschnitt liegen. In Berlin sind es nur 16 Prozent. Im Südwesten hingegen, mit dem Saarland an der Spitze, gefolgt von Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern, besitzt jeder Zweite ein Eigenheim. Die Mieter in Deutschland wenden durchschnittlich mehr als ein Viertel ihrer Nettoeinkommen für die Mietzahlungen auf (bruttokalt). Bei alleinlebenden Singles sind es sogar um die 30 Prozent. Deutschland hat eine hohe Kaufkraft, die Wirtschaft boomt, warum ist die Zurückhaltung beim Erwerb eines Eigenheims immer noch so groß?

Kaufnebenkosten sind zu hoch
Immobilienkäufer sehen sich in Deutschland mit hohen Erwerbsnebenkosten konfrontiert. So berechnet Bayern 3,5 Prozent Grunderwerbssteuer auf den Kaufpreis, Berlin 6 Prozent und Nordrhein-Westfalen sogar 6,5 Prozent. Das sind je nach Kaufpreis schnell fünfstellige Beträge. Hinzu kommen 1,4 Prozent Notargebühr sowie ggf. eine Provision für einen vermittelnden Makler, die Maklercourtage. Diese Kaufnebenkosten treiben die ohnehin sehr große Investition in ein Eigenheim weiter in die Höhe.

Wenig Ersparnisse
 „90 Prozent der Mieter haben weniger als 50.000 Euro an Ersparnissen“, sagt Professor Michael Voigtländer, Immobilienexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Da wird es schwierig mit der Anschaffung des Eigenheims, wo doch die Faustregel besagt, man sollte mindestens 20 Prozent an Eigenkapital einbringen. Damit steht und fällt die Finanzierung. Besonders in Großstädten wie Hamburg, Berlin und München kommt man ohne entsprechende „Polster“ nicht weit.

Mieten oder Kaufen?

Warum ist Miete so beliebt?
Es gibt auch Gründe, die für die Miete sprechen: Deutschland hat einen hohen Kündigungsschutz, die Bauqualität der Wohnungen einen hohen Standard und Mieter behalten eine hohe Flexibilität im Hinblick auf einen Wohnortwechsel. Haushalte anderer europäischer Länder sind mit ihrer Umgebung deutlich mehr verwurzelt, hier spielt der Aspekt der Sesshaftigkeit eine entscheidende Rolle. Zu guter Letzt, der Sozialstaat in Deutschland sorgt dafür, dass bislang noch ein Grundstock an Sozialwohnungen besteht und bedürftige Mieter mit dem Wohngeld unterstützt werden.

Der Weg in die eigenen vier Wände
Besonders junge Familien verspüren den Wunsch nach den eigenen vier Wänden und dafür gibt es gute Gründe. Neben dem Bedürfnis, sich seine individuelle Wohnumgebung zu schaffen, macht man sich vor allem unabhängig: Denn steigende Mietpreise, Wohnungsmangel und Kündigung wegen Eigenbedarf sind für Eigentümer kein Thema mehr. Ein weiterer Aspekt ist die Absicherung für das „Alter“. Hat man eine Immobile bis zum Renteneintritt abbezahlt, wird man die Entlastung, „mietfrei“ zu wohnen, deutlich im Geldbeutel spüren. In Hinblick auf die weniger erfreulichen Rentenprognosen, bietet das Eigenheim eine große Chance, sich seinen Lebensstandard zu bewahren. Zudem haben Immobilien überwiegend eine gute Wertentwicklung, was zusätzlich für sie als Geldanlage spricht und somit auch ein „kleines“ Vermögen für die Nachkommen sichert. Der anhaltende Niedrigzins für Baukredite bietet zurzeit die besten Voraussetzungen, sich für ein Eigenheim zu entscheiden.

Welche Kosten kommen beim Hausbau auf mich zu?

Wohnungsbauprämie – ein Erfolgsmodell?
Der Staat fördert die Schaffung von Wohneigentum mit Maßnahmen, wie dem 2018 eingeführten Baukindergeld. Auch die Wohnungsbauprämie wird nach einer Änderungsvorlage der Bundesregierung ab dem Sparjahr 2021 attraktiver gestaltet. Für die jüngere Generation und Geringverdiener bietet die Prämie einen zusätzlichen Anreiz, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Nach der bisherigen Regelung profitierten nur noch relativ wenige Menschen davon. Nach Entscheidung des Bundestags hat der Bundesrat der Neuregelung am 29. November 2019 zugestimmt. Damit steigt die Einkommensgrenze bei Alleinstehenden von 25.600 Euro auf 35.000 Euro und bei Verheirateten von 51.200 Euro auf 70.000 Euro im Jahr, unter der die Wohnungsbauprämie in Anspruch genommen werden kann. Die Grenze der förderfähigen Einzahlungen erhöht sich von 512 bzw. 1.024 Euro auf 700 bzw. 1.400 Euro und der Fördersatz steigt von 8,8 auf 10 Prozent. Angesichts der Preise pro Quadratmeter für Neubau-Wohnungen in Metropolen wie Berlin und München, die teilweise über 7.000 Euro, in München sogar über 12.000 Euro pro Quadratmenter liegen, ist die Prämie allerdings ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein.