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Wohngipfel 2018

Sind Bausparen und Eigenheim spannender als gedacht?

Nachbesserung der Wohnungsbauprämie ab 2021 verabschiedet

Ob in der Liebe, im Job oder beim Wohnen – die Generation Y sucht nach Flexibilität. Ein Bausparvertrag klingt für viele junge Menschen hingegen hoffnungslos spießig. Genau das will die Bundesregierung nun ändern – und die Wohnungsbauprämie attraktiver gestalten. Kann das gelingen?

„Wenn ich groß bin, möchte ich auch mal Spießer werden“ – wer erinnert sich nicht an den denkwürdigen Satz der kleinen Lena, die mit ihrem Aussteiger-Vater in einer hippiesken Bauwagensiedlung lebt, aber eigentlich von einem eigenen Haus im Grünen träumt? Der Clip, mit dem die LBS vor 15 Jahren das Bausparen attraktiver machen wollte, hat inzwischen Werbegeschichte geschrieben. Und man erkennt: Bereits damals hatte das Thema Sparen für die eigenen vier Wände offensichtlich ein Imageproblem.

Daran scheint sich bis heute nicht viel geändert zu haben. Zwar lassen sich die Deutschen durchaus als das Volk der Bausparer bezeichnen: 26,94 Millionen abgeschlossene Verträge gab es Ende 2018 laut Statista; dennoch ist die Zahl in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Generell ist die Wohneigentumsquote in Deutschland die niedrigste in Europa, vor allem die 25- bis 40-Jährigen ziehen immer seltener in die eigenen vier Wände.

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter einem Bausparvertrag? Man spart zunächst einige Jahre lang Geld an. Hat man dann etwa 40 bis 50 Prozent der vereinbarten Summe zusammen, bekommt man einen Kredit zu vergleichsweise niedrigen Zinsen, da diese bereits beim Abschluss festgelegt werden.

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So lässt sich schließlich der Traum vom Eigenheim erfüllen. Damit man möglichst früh mit dem Sparen beginnt, hat die Bundesregierung die gesetzliche Regelung zur Wohnungsbauprämie nachgebessert. Ab 2021 werden die Einkommensgrenzen von derzeit 25.600 Euro für Alleinstehende bzw. 51.200 Euro für Verheiratete auf 35.000 bzw. 70.000 Euro angehoben. Der Fördersatz steigt von 8,8 auf 10 Prozent. Des weitern wird eine Anpassung des förderfähigen Höchstbetrages auf 700 Euro für Singles und 1.400 Euro für Paare vorgenommen. Der Bundesrat hat der Neuregelung am 29. November 2019 zugestimmt.

Hinter der Wohnungsbauprämie steckt übrigens ein zentrales Prinzip der sozialen Marktwirtschaft, das bis in die Gründungsphase der Bundesrepublik zurückreicht: Indem der Staat ärmere Haushalte finanziell unterstützte, in die eigenen vier Wände zu ziehen, sollte eine gleichmäßigere Vermögensverteilung in der Bevölkerung erreicht werden. Durch mehr Wohneigentum erhoffte man sich eine Wahrung des sozialen Friedens, denn „wer ein Haus baut, macht keine Revolution“, wie Konrad Adenauer einmal gesagt haben soll. Außerdem sollte das Förderprogramm auch gegen den Wohnraummangel nach dem Krieg helfen.

Insbesondere an Letzteres dürfte die aktuelle Bundesregierung sich nun erinnert haben, als sie beschloss, die Bedingungen für die Wohnungsbauprämie zu verbessern. Sowohl auf dem Wohngipfel vor einem Jahr als auch im Koalitionsvertrag hat die Große Koalition festgehalten, „die Einkommensgrenzen an die allgemeine Einkommens- und Preisentwicklung anzupassen und den Prämiensatz zu erhöhen.“

Bleibt die Frage, warum das Bausparen aktuell relativ unpopulär ist.

Das hat zum einen wirtschaftliche Gründe: Branchenexperten sehen eine Ursache in der anhaltenden Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB): Geringe Guthabenzinsen in der Ansparphase hätten die Attraktivität eines Bausparvertrags stark reduziert. Dazu komme, dass die Aussicht auf günstige Zinsen heute kaum noch reizvoll ist. Immobilienkredite bekommt man inzwischen fast zum Nulltarif; auch ohne Bausparvertrag. Darüber hinaus habe die Wohnungsbauprämie vor allem Schüler und Studenten im Blick. In einem Beschäftigungsverhältnis sei ein Bausparvertrag allerdings noch sinnvoller, weil dann die vermögenswirksamen Leistungen durch den Arbeitgeber hinzukommen.

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Da beginnt aber bereits das nächste Problem: Oftmals erhalten junge Menschen in der globalisierten, digitalen Arbeitswelt nur befristete Zeitverträge; dementsprechend zögert die Generation Y damit, sesshaft zu werden. Dazu kommt, dass viele es auch als mentalen Gewinn erachten, wenn sie sich möglichst viele Optionen offenhalten: Der Wunsch nach einer flexiblen Lebensgestaltung ist zum Mantra einer ganzen Generation geworden. Diese Haltung wirkt sich auch auf das Wohnen aus: Laut einer Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment und dem Immobilienunternehmen ZBI aus dem Jahr 2018 sagten 44 Prozent aller Deutschen unter 40, die kein Wohneigentum besitzen, dass sie sich durch eine Immobilie in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen. Ein Drittel will auf nichts verzichten, um sich ein Haus oder eine Wohnung leisten zu können.

Doch allmählich macht sich auch ein Umdenken bemerkbar: Nach aktuellen Erhebungen des Umfrageinstituts Emnid halten 88,6 Prozent der 18- bis 29-Jährigen die eigenen vier Wände für die optimale Absicherung im Alter. Denn im Gegensatz zu ihrer Elterngeneration können sie nur noch mit einer geringen Rente rechnen; der demografische Wandel lässt grüßen. Und Fakt ist: Unter den heutigen Senioren, die auf staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen sind, gibt es kaum Wohneigentümer.

Ist ein Bausparvertrag demnach progressiver als gedacht? Und die überarbeitete Wohnungsbauprämie ein erster Schritt in die richtige Richtung? Das bleibt abzuwarten. Tatsächlich erscheinen Bausparverträge in Zeiten des demografischen Wandels jedoch als eine sinnvolle Investition, die junge Menschen zumindest ernsthaft in Betracht ziehen sollten. Und wenn man dann an einem lauen Sommerabend in seinem eigenen Garten sitzt, den Grill anschmeißt und keine Miete mehr bezahlt, wird die Frage nach Freiheit und Spießigkeit eventuell noch mal neu beantwortet.

Lena Beyerling, das Mädchen aus der LBS-Werbung, bekannte jedenfalls schon 2012, im Alter von 16 Jahren, gegenüber der Bild-Zeitung:

„Ich bin viel geärgert worden wegen der Werbung, heute sehe ich es entspannt. Dann bin ich eben ein bisschen Spießer.“